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Anke Richter

 

Tokelau - 200 Tage

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Der Spiegel (12/2003) Klinik unter Palmen

Arzt für Tokelau gesucht, hieß es vor knapp drei Jahren in einer Stellenanzeige, als die Journalistin Anke Richter und ihr Mann Frank Küppers spürten, dass es Zeit für eine Veränderung sei. Die spärlichen Angaben, die das Paar im Internet fand ­ drei Atolle im Südpazifik, die eines der kleinsten Länder der Erde bilden, drei Tage Seereise von Samoa entfernt, nur alle drei Wochen ein Versorgungsschiff ­ klangen so vielversprechend, dass Küppers, damals Oberarzt an der Kieler Uni-Klinik, sich um die befristete Stelle bewarb. Monate später verließen sie Kiel mit ihrem vierjährigen Sohn für eine Klinik unter Palmen, ein Leben ohne Autos, ohne Medien.

Sieben Monate verbrachte die Familie auf dem Atoll Atafu in der christlichen, streng hierarchisch strukturierten, 500 Köpfe zählenden Gemeinde. Monate, in denen die Insulaner alle Missstände nur mit dem Wort "Isolation" erklärten: die abgelaufenen Medikamente, die altersmüden Kondome, die verrosteten Skalpelle, das fehlende Obst und sogar den Selbstmord einer Ärztin. Anke Richter, bereits mit dem Ratgeber "Aussteigen auf Zeit" erfolgreich, beschreibt in "Tokelau ­ 200 Tage" eine der letzten urkommunistischen Gesellschaften. Sie berichtet von einem Alltag, in dem alles geteilt wird und der aus dem Gang zur Lagunen-Toilette ein Happening macht. Weil aber jede Individualität das Kollektiv-Dasein gefährden würde, erzählt Richter auch von einer Gesellschaft, in der die Kirche allmächtig ist, die soziale Kontrolle erdrückend. Anderthalb Jahre nach ihrer Rückkehr aus dem Paradies überlegen die beiden nun, für immer auszuwandern ­ Ziel ist diesmal das kapitalistische Neuseeland.

 

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